Ernährung und Gesundheit kontrovers

Dipl. oec. troph. Ulrike Gonder

13. November 2017
von Ulrike Gonder
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Fasten, Ketose, Antiangiogenese: mit Ernährung Krebs bekämpfen

Ende September durfte ich an einer besonderen Tagung in Paris teilnehmen. Sie brachte erstmals Krebsexperten, Patienten und Wissenschaftler aus den Gebieten Antiangiogenese, Fasten und ketogene Ernährung an einen Tisch. Meine Zusammenfassung der Tagung sowie mein Interview mit dem Piloten Jean-Jacques Trochon, der die Konferenz initiierte, erschienen letzten Donnerstag in der Saarbrücker Zeitung: SZ-20171110-BWOH_7-S15-ParsJJ

25. Oktober 2017
von Ulrike Gonder
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Fettgeschmack und Kokosöl-Karriere

In der Saarbrücker Zeitung sind zwei neue Artikel von mir erschienen: Der kleinere Beitrag beschäftigt sich mit dem Auf und Ab in der Beliebtheit des Kokosöls. Der größere behandelt den köstlichen Geschmack fetthaltiger Speisen und den Fettgeschmack Oleogustus – und das sind durchaus zwei verschiedene Dinge. Denn Fett lässt die Speisen besser schmecken, es war aber bis vor kurzem gar nicht klar, ob wir den Geschmack von Fetten oder Fettsäuren per Rezeptor im Mund überhaupt wahrnehmen können. Außerdem schmecken einzelne Fettsäuren eher kratzig als lecker …. Fettgeschmack-SZ-20171020-BWOH_7-S15

29. September 2017
von Ulrike Gonder
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Krebspatienten: Ist die Warnung vor Keto-Diäten gerechtfertigt?

Gestern war auf der Internetseite der Süddeutschen zu lesen, Ärzte würden Krebspatienten vor Keto-Diäten warnen. Ausgangspunkt dürfte eine Stellungnahme von Erickson et al. in der aktuellen Ernährungs Umschau, dem Fachblatt der deutschen Ernährungsfachkräfte, gewesen sein. Diese setzt sich äußerst kritisch mit dem Thema ketogene Diäten bei Krebserkrankungen auseinander. Das ist prinzipiell auch zu befürworten, denn eine ketogene Ernährung stellt eine deutliche Abweichung von üblichen Ernährungsmustern dar. Vor allem bei Krebspatienten ist es wichtig, dass sie diese nicht in Eigenregie durchführen, weil es dann zu Fehlern und zu einer unerwünschten Gewichtsabnahme kommen kann. Zudem müssen die Patienten darüber aufgeklärt werden, dass sich Tumore nicht aushungern lassen und dass eine Ernährungsumstellung immer eine supportive Maßnahme darstellt und keine Wunder zu erwarten sind. Darin und in der Forderung nach mehr Humanstudien über ketogene Ernährungsformen und einer besseren Beratung der Patienten, stimme ich mit den Autoren der vorgenannten Publikationen völlig überein.

Was ich allerdings überhaupt nicht verstehen kann ist, dass die ketogene Ernährung mit dubiosen Krebsdiäten in einen Topf geworfen wird, dass ihre Auswirkungen teilweise falsch dargestellt und ihre potenziellen Nebenwirkungen maßlos übertrieben werden. Mit Aussagen wie, es käme nach initialer Verlangsamung des Krebswachstums zu einem beschleunigten Tumorzellwachstum macht man den Menschen nur Angst. Belegt ist dies  nicht. Auch stimmt es nicht, dass eine ketogene Diät das Wachstum von Tumorzellen nur dann verlangsamt, wenn es zeitgleich zu einer Gewichtsabnahme kommt.

Ärgerlich ist, dass sowohl die Ernährungs Umschau als auch die Süddeutsche die Ausführungen der Gruppe um Erickson völlig unkritisch bzw. unkommentiert übernehmen. Zu einem längeren Artikel dieser Gruppe, der kürzlich hin der Zeitschrift Clinical Oncology erschienen ist, wurden immerhin drei kritische Leserbriefe publiziert (Klement et al., Gonder, Toth et al.), die u. a. eine Neubewertung der Erickson-Arbeit fordern und deren Ausführungen für irreführend hielten.

Falsch ist zudem, wie in der Süddeutschen beschrieben, dass bei ketogenen Kostformen generell nur 20 g Kohlenhydrate täglich erlaubt seien, dass man unter ketogener Kost sein Gewicht kaum halten könne und dass alle Patienten unter einer ketogenen Diät „leiden“ würden, weil sie die Nahrungsauswahl und das Sozialleben zu sehr einschränke.

Wie die Erfahrung vieler Anwender zeigt, kann eine ketogene Ernährung sehr wohl gut schmecken, gut bekömmlich sein und nicht zu unerwünschten Gewichtsverlusten führen. Dazu muss sie aber sorgfältig geplant und durchgeführt werden, wozu es in dieser Kostform versierte Ernährungsfachkräfte bräuchte. Am Ende des Artikels in der Süddeutschen bemängelt Frau Dr. Hübner von der Uni Jena, dass es in Deutschland leider an flächendeckenden Angeboten wissenschaftlich fundierter Ernährungsberatung fehle. Dazu muss m. E. aber auch gesagt werden, dass sie dazu selbst beiträgt, indem sie durchaus vielversprechende Ansätze wie eine ketogene bzw. deutlich kohlenhydratreduzierte Ernährung durch ihre pauschalierenden Stellungnahmen regelrecht boykottiert.

Am Ende stehen die Patienten im Regen, denen man so sicher nicht zu eine guten Begleitung und Beratung verhilft.

28. Juni 2017
von Ulrike Gonder
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Kokosöl – mal wieder in der Kritik

In jüngster Zeit häufen sich wieder einmal kritische Artikel über Kokosöl, ausgelöst durch ein Statement der amerikanischen Herzgesellschaft AHA (Sacks, 2017). Die AHA ist der festen Überzeugung, dass gesättigte Fettsäuren durch ungesättigte ersetzt werden sollen, um den Cholesterinspiegel und damit auch das Risiko für Herz- und Gefäßkrankheiten zu senken. Aus diesem Grund sollen nach Ansicht der AHA Lebensmittel, die viele gesättigte Fettsäuren enthalten, am besten vermieden werden. In dem AHA-Statement heißt es: „…weil Kokosöl das LDL-Cholesterin erhöht, …, raten wir von seinem Gebrauch ab.“ In den Medien häuften sich darauf hin Meldungen, wonach Kokosöl ungesund sei.  Das aktuelle AHA-Statement enthält jedoch keinerlei neue Erkenntnisse!

Kokosöl: So „ungesund“ wie Butter und Schweineschmalz?

Die AHA hebt hervor, dass Kokosöl mehr gesättigte Fettsäuren enthalte als z. B. Butter und Schweineschmalz. Ja klar, dass wissen wir seit hundert Jahren: Mit einem Gehalt von mehr als 90 % ist Kokosöl sehr reich an gesättigten Fettsäuren und übertrifft dabei Butterfett (ca. 60 %) und Schweineschmalz (ca. 40 %). Das lässt sich jeder gewöhnlichen Nährwerttabelle entnehmen. Nur: Daraus lässt sich eben NICHT ableiten, dass es ungesund wäre. Doch genau auf dieser überholten Einstellung reitet das AHA-Statement herum – und erstaunlich viele springen auf diesen Zug auf und sind plötzlich „schockiert“.

Vielleicht sind es dieselben Leute, die zuvor das Kokosöl als „Wundermittel“ gehypt haben.

Das ist natürlich auch höherer Blödsinn! Kein einzelnes Lebensmittel kann Wunder bewirken oder den Menschen gesund oder krank machen, es ist immer die gesamte Ernährung, das individuelle Risikoprofil, die langfristig gepflegte Lebensweise. Eine aktuelle Zusammenfassung der wissenschaftlichen Evidenz zu Herz- und Gefäßerkrankungen fand denn auch, dass Kokosöl im Kontext traditioneller (tropischer) Ernährungsweisen kein Risiko darstellt (Eyres, 2016). (Leider stimmen auch diese Autoren anschließend das alte Lied „gesättigte Fettsäuren erhöhen das LDL und machen daher Herzinfarkt“ an.) Für westliche Länder gibt es aber praktisch keine Daten über natives Kokosöl und die Herzgesundheit. Insofern darf es natürlich auch nicht als Herzschutz gehypt werden. Unsinn! Man nimmt vom Kokosölessen auch nicht automatisch ab – Leute, auf welchem Planeten lebt Ihr?

Natürlich sinkt der Cholesterinspiegel, wenn Kokosöl durch ungesättigte Fettsäurequellen wie Oliven- oder Rapsöl ersetzt wird. Das ist aufgrund der Fettsäurezusammensetzung schlicht zu erwarten (Mensink, 2003). Ob dadurch auch das Herzinfarktrisiko sinkt, ist aber NICHT gesagt. Darauf weisen in jüngster Zeit im mehr Wissenschaftler hin (z. B. Harcombe, 2016, Chowdhury, 2014, Siri-Tarino, 2010, Teicholz, 2015, Malhotra 2017).

Also noch einmal: Es gibt keine Belege dafür, dass Kokosöl dem Herzen schadet – ebenso wenig wie dafür, dass Butter oder Schweineschmalz per se „ungesund“ wären. Auch Kokosöl sollte immer Teil einer insgesamt ausgewogenen, individuell angepassten Ernährung sein. Und es sollte nie das einzige Fett in der Küche sein, eben weil es durch Lebensmittel mit ungesättigten Fettsäuren ergänzt werden muss.

Natives Bio-Kokosöl ist ein hochwertiges, gut hitzebeständiges Fett mit besonderen Eigenschaften. Es kann keine Wunder bewirken, aber Teil einer gesundheitsförderlichen Ernährung sein, auch bei bestimmten Erkrankungen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

13. Juni 2017
von Ulrike Gonder
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Neu: Essen! Nicht! Vergessen!

Demenzrisiko einfach wegessen – oder: Wie die Ernährung vor Alzheimer & Co. schützen kann

Endlich erschienen: Mein neues Buch Essen! Nicht! Vergessen!, das ich zusammen mit Dr. Peter Heilmeyer bei systemed veröffentlicht habe. Ich finde, es ist ein Muss für alle, die beruflich und privat mit Menschen zu tun haben, die ein erhöhtes Demenzrisiko aufweisen. Darin versprechen wir selbstverständlich keine Wunder, aber wir haben frohe Botschaften! Denn jeder kann etwas für seine Hirngesundheit tun – auch, wenn es schon erste Anzeichen einer Erkrankung gibt. Im ersten Teil habe ich die Zusammenhänge zwischen dem früh gestörten Energiestoffwechsel im Gehirn und der Ernährung ausführlich aber (hoffentlich) verständlich beschrieben. Im zweiten Teil gibt es konkrete Empfehlungen für eine hirngesunde Ernährung, die gut schmeckt und die Raum für individuelle Vorlieben lässt. Freue mich auf  konstruktive Feedbacks. Viel Spaß beim Lesen und Ausprobieren!

4. Mai 2017
von Ulrike Gonder
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Nachdem ich den Beitrag von Erickson et al. in der Medical Oncology gelesen habe, in dem unrichtige Behauptungen über die ketogene Ernährung insbesondere für Krebspatienten gemacht werden, konnte ich dies nicht unwidersprochen lassen. Mein Leserbrief wurde ebenso wie der von Klement et al. rasch akzeptiert und veröffentlicht. Jetzt bleibt abzuwarten, ob es zu einer Revision des Reviews kommt. Es bleibt spannend …

26. Oktober 2016
von Ulrike Gonder
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Kokosöl: Kritik an der Kritik

Unter dem Titel „Kokosöl – eine hirnrissige Idee?“ erschien kürzlich im Mitteilungsblatt der englischen Ernährungsstiftung (British Nutrition Foundation) ein Artikel [Lockeyer, 2016], in dem die steigende Popularität von Kokosprodukten aus ernährungswissenschaftlicher Sicht bewertet werden sollte. Die ausführliche Arbeit spart nicht an Kritik, beruft sich dabei jedoch teilweise auf überholte Argumente. Da jetzt auch die deutsche Ernährungs Umschau (Ausgabe Oktober 2016) auf den Artikel verwies, im Folgenden meine Anmerkungen dazu. Weiterlesen →

16. September 2016
von Ulrike Gonder
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Aufregende Zeiten für Freunde des Fetts

Hui, dass ich das noch erlebe, denke ich oft, wenn ich beispielswiese lese, dass immer mehr Wissenschaftler die offiziellen Ernährungsempfehlungen (z. B. DiNicolantonio, JJ et al.) in Frage stellen. Wenn endlich heraus kommt, dass vieles, was dem Fett angelastet wurde, nicht belegt war, dass man Daten geschönt, Statistiken frisiert, Unterlagen unterschlagen und Wissenschaftler gekauft hat. Dann diese Woche die Meldung über eine Studie im renommierten Medizinerblatt JAMA: Die Zuckerlobby hat Wissenschaftler offenbar dafür bezahlt, dass sie den Zucker gut und das Fett schlecht aussehen lassen (Kearns, C et al.).

Schon in den 1950er Jahren wurde gezeigt, dass das Sterberisiko steigt, wenn den Menschen gleichzeitig viel Zucker und viel gesättigte Fette zur Verfügung stehen (Verzehrsdaten hatte man damals nicht). Mit tatkräftiger Unterstützung der Zuckerindustrie verschwand der Zucker jedoch aus den Statistiken – das (gesättigte) Fett blieb als vermeintlicher Übeltäter übrig. Mit der Folge, dass immer mehr Kohlenhydrate und weniger Fett gegessen wurde. Die Folgen für die Figur und die Gesundheit sind bekannt und überall zu besichtigen.

Dass zumindest einer der JAMA-Autoren mit dem amerikanischen Zentrum für Tabakkontrolle (UCSF Center for Tobacco Control Research and Education) zu tun hat, wundert nicht, denn die aufgedeckten Machenschaften erinnern doch sehr an die unrühmlichen Aktivitäten der Tabakindustrie zur Vertuschung der Gefährlichkeit des Rauchens.

Bleibt zu hoffen dass derartige Manipulationen künftig schneller ans Licht kommen und dass sie geahndet werden. Denn bis heute sehe ich Arbeiten in der Fachliteratur, bei denen sich mir der Eindruck aufdrängt, die Ergebnisse hätten schon zu Beginn der Untersuchung festgestanden. Die Verantwortlichen von damals sind längst tot, sie können nicht mehr zur Rechenschaft gezogen werden. Die Autoren des JAMA-Berichtes fordern, industriegesponserte Studien künftig genauer unter die Lupe zu nehmen und sie nicht so hoch zu bewerten bzw. stets die Gesamtheit der Forschungsergebnisse im Auge zu haben. Mal sehen, ob das klappt und wozu es führt.

Derweil bleiben die Zeiten aufregend für Freunde der kohlenhydratlimitierten Ernährung, denn es erscheinen jetzt auch immer mehr Berichte darüber. Das ist einerseits schön, weil es die Sache bekannter macht. Andererseits wird es die Verwirrung aber erst noch einmal verstärken, weil doch gerne vor dem Weglassen der Kohlenhydrate gewarnt wird, wie jüngst auf Spiegel online. Das verwundert dann doch, denn erstens geht es ja gar nicht darum, die Carbs völlig wegzulassen und zweitens fragt man sich, was so schlimm daran sein könnte, einen Nährstoff zu reduzieren, der für den Körper nicht essenziell ist.

Das Gute am Spiegel online Beitrag ist, dass nicht alles falsch ist. Ok, das war zu böse. Also nochmal: Das Gute daran ist, dass etliches ganz gut erklärt wurde. Allerdings hätte man nach meinem Dafürhalten besser Menschen interviewt, die auch was von ketogener Ernährung verstehen. Wie die zahlreichen Kommentare zu dem Artikel zeigen, hätten manche Leser besser Auskunft geben können als die zitierten Experten.